Thomas Balzer, 1959 in Stuttgart geboren, arbeitet als Dokumentarfilmer, Journalist und Videokünstler. Während seines Studiums an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart von 1979 bis 1985 begann er, traditionelle Erzählformen mit experimentellen Videotechniken zu verbinden. Eine Assistenzstelle bei Robert Wilson und dessen Theaterproduktion „Golden Windows“ an den Münchner Kammerspielen führte zu einer dauerhaften Ausrichtung auf die Arbeit mit Videotechnik. 1984 realisierte Balzer seine erste Videoarbeit für „Das Kleine Fernsehspiel“ des ZDF.
In „Einsdreissig – Die Arbeit mit der Nachricht“ (1987) und „Wüsten“ (1989) hinterfragte er kritisch die Art und Weise der Nachrichtenvermittlung und experimentierte mit narrativen Darstellungsformen. 1991 drehte er für die Redaktion „Das Kleine Fernsehspiel“ des ZDF den Dokumentarfilm „Amadeu Antonio“ über eines der ersten Opfer rechtsextremer Gewalt im wiedervereinigten Deutschland. Ab 1992 konzipierte Balzer Themenabende und Fernsehexperimente für den neu gegründeten Fernsehsender ARTE.
1998 wurde er für seine Reportage „Sprechstunde für Obdachlose“ mit dem Deutschen Fernsehpreis, damals noch unter dem Namen Telestar, in der Kategorie „Beste Dokumentation“ ausgezeichnet. In den folgenden Jahren konzentrierte sich seine Arbeit zunehmend auf die Stadtentwicklung Berlins, darunter die endlose Geschichte des Baus des Flughafens BER (2006–2020) und die Neugestaltung des Berliner Alexanderplatzes (seit 2020).
Derzeit beschäftigt sich Balzer erneut mit dem Aufstieg der Neuen Rechten sowie mit der Zunahme von Fremdenfeindlichkeit und rechtsextremer Gewalt. Er experimentiert weiterhin mit verschiedenen Videoformaten, integriert interaktive Elemente und erkundet neue narrative Ausdrucksformen über das Internet, die Videokunst und Installationen.